DSIP
Eines der am längsten erforschten Neuropeptide, ursprünglich als schlafinduzierender Botenstoff aus dem Gehirn schlafender Kaninchen isoliert, mit bis heute uneinheitlicher Studienlage.
DSIP (Delta Sleep Inducing Peptide) ist ein Nonapeptid, das 1977 von Schoenenberger und Monnier aus dem venösen Hirnblut schlafender Kaninchen isoliert und nach seiner Fähigkeit benannt wurde, im Tiermodell Delta-Wellen im EEG auszulösen. In den folgenden Jahrzehnten wurde es in zahlreichen Humanstudien zu Schlaf, Stressachse und Hormonregulation untersucht. Die ursprünglich beschriebene schlaffördernde Wirkung ließ sich in unabhängigen, methodisch strengeren Studien nicht zuverlässig reproduzieren.
Steckbrief
- CAS-Nummer: 62568-57-4
- Molekulargewicht: 848.8 g/mol
- Aminosäuren: 9
- Reinheitsstandard: ≥ 98 % (HPLC, handelsüblich)
Evidenz
- Die Erstisolierung aus dem Hirnblut schlafender Kaninchen identifizierte die Nonapeptid-Sequenz und zeigte im Tiermodell eine Zunahme von Delta-Wellen im EEG nach intraventrikulärer Gabe. Schoenenberger GA, Monnier M 1977, Proceedings of the National Academy of Sciences, Bd. 74(3), S. 1282-1286, PMID 265572
- In einer doppelblinden Crossover-Studie an chronischen Insomnie-Patienten mit polysomnographischer Kontrolle über vier Nächte fiel die Schlafverbesserung unter DSIP im Vergleich zu Placebo gering aus. Monti JM et al. 1987, International Journal of Clinical Pharmacology Research, Bd. 7(2), S. 105-110, PMID 3583493
- Eine Übersichtsarbeit, die drei Jahrzehnte an Human- und Tierstudien zusammenfasst, kommt zu dem Schluss, dass sich die ursprünglich postulierte schlafinduzierende Wirkung von DSIP in unabhängigen Studien nicht konsistent bestätigen ließ. Kovalzon VM, Strekalova TV 2006, Journal of Neurochemistry, Bd. 97(2), S. 303-309, PMID 16539679
- Eine 2024 veröffentlichte präklinische Arbeit untersuchte ein DSIP-Fusionspeptid im Mausmodell einer medikamentös ausgelösten Schlaflosigkeit und beschrieb Effekte auf Neurotransmitter-Spiegel wie Serotonin und Dopamin. Mu X et al. 2024, Frontiers in Pharmacology, Bd. 15, Artikel 1439536, PMID 39444618
Häufige Fragen
Wurde die schlaffördernde Wirkung von DSIP in Studien bestätigt
Die Studienlage ist uneinheitlich. Frühe Untersuchungen berichteten schlaffördernde Effekte, eine Übersichtsarbeit aus 2006 kommt jedoch zu dem Schluss, dass sich diese Wirkung in unabhängigen Studien nicht konsistent reproduzieren ließ.
Woher stammt der Name DSIP
DSIP steht für Delta Sleep Inducing Peptide. Der Name geht auf die Erstbeschreibung 1977 zurück, als das Peptid aus dem Hirnblut schlafender Kaninchen isoliert wurde und im Tiermodell Delta-Wellen im EEG auslöste.
Ist DSIP in Deutschland legal erhältlich
DSIP ist in Deutschland und der EU nicht als Arzneimittel zugelassen. Es wird ausschließlich als Forschungschemikalie für Laborzwecke angeboten, nicht für die Anwendung am Menschen.